-> 10. Biehlaer Froschlauf – ein Laufkonzert mit Paukenschlägen

 
von Petra Hesse

Bereits vor zehn Jahren hat es bei der Uraufführung des „Froschlauf(es) durch die Biehlaer Nacht“ einigen Wirbel gegeben. Denn bei der Performance dieser Lauf-Sinfonie wurde klar, dass der erfahrene Komponist (alias Gesamtleiter) Jens Dzikowski auf der Suche nach einer neuen Form war. Zunächst entschied er sich für einen ungewöhnlichen Lauf-Konzert-Beginn – den Sonnenuntergang.

Des Weiteren wählte der damals 50-Jährige das markante Frosch-Motiv, welches für die Biehlaer Landschaftsidylle steht. In seinem kompositorischen Stil setzte er daher auf das romantische Flair in Biehla. Um die feinen Töne des Quaken der Frösche zu hören und den Tanz der leuchtenden Glühwürmchen zu sehen, war natürlich auf dem 9,6 Kilometer langen Weg durch die Teichlandschaft eine gesteigerte Aufmerksamkeit gefragt. Das ins Ziel führende, märchenhaft lodernde Fackelspalier setzte letztendlich jeden Froschläufer wirkungsvoll in Szene. Besonders originell war die abschließende Ehrung der Besten um Mitternacht: Die Krönung der Froschkönigin und des Froschkönigs!
Die Nachfrage der mitwirkenden Froschläufer an diesem beliebten Lauf-Konzert stieg rasant von Jahr zu Jahr!

Die 10. Auflage der Laufpartitur beinhaltete einerseits die präzise Organisation und anderseits gleich mehrfache Überraschungseffekte. So wurde das Jubiläum am 28. Juli 2013 als Sinfonie in vier Sätzen konzipiert.

Im ersten Satz stellte sich das „Froschlauf-Orchester“ mit 1 137 Mitwirkenden vor. Dies war der erste Paukenschlag – neuer Teilnehmerrekord! In der Besetzung von 96 Walker und Wanderern wurde sich zunächst eingestimmt. Dann wollten 327 Kurzstrecklern den richtigen Takt finden, was insbesondere Niklas Riechert (LV Limbach 2000) und Anna Walter (DSC 1898) gelang, so dass sie auf der Strecke über zwei Kilometer die „erste Geige spielten“. Alle anderen wurden gleichfalls für ihre Bemühungen mit viel Applaus belohnt und besondere Talente bekamen unter anderem vom Staatssekretär Dr. Michael Wilhelm Medaillen überreicht.

Nun folgte die außergewöhnliche Sonate des zweiten Satzes, die von den 714 Froschläufern nicht im Adagio, sondern im Allegro vorgetragen wurde. Bei den Männern wollte Paul Schmidt (TSV Dresden) unbedingt mit einem Solo glänzen. Er ließ keinen Zweifel daran aufkommen und sorgte tatsächlich für den nächsten Paukenschlag! Der bereits zum 6. Mal siegende Froschkönig polarisierte seine Bestmarke von 29:41 Minuten (2007) auf 28:51 Minuten! Die ebenfalls als favorisierte Laufsolisten Marc Schulze (SCC Berlin, 29:04 min) und Matthe Crowe (Estero, Florida – USA; 29:20 min) überzeugten in gleichem Maße mit ihrer brillanten Vorstellung. Großartig!

Bei den Frauen haute Julia Belger (OSC Löbau) gehörig auf die Pauke. Auch sie unterbot die bisherige Streckenbestzeit von 36:24 Minuten (Sylvia Jakobs, 2008). Einfach erstklassig der neue Streckenrekord von 35:42 Minuten! Nicht minder begeisterten die Geschwister Lamm (MSV Meusegast): In einem zweistimmigen Scherzo boten Anna (36:13 min) und Eva (36:29 min) exzellente Leistungen.
Im dritten Satz zog Jens Dzikowski als Chefdirigent noch einmal alle Register seiner Organisationskunst, denn es wurden zahlreiche Ehrungen zelebriert.

Zuerst rief der Moderator Bernd Lindner die treusten Froschlauf-Fans mit 10 Teilnahmen auf. So erhielten Marlies Müller, die Eheleute Steffi und Jens Radke (alle LSV Pirna) sowie Udo (Vater) und Stephan (Sohn) Morgenstern aus Zittau einen Ehrenfrosch. Danach folgte die virtuose Krönung der Froschkönigin Julia Berger und des Froschkönigs Paul Schmidts sowie die Auszeichnungen der Plätze 2 bis 6. Schließlich hatten, geprägt vom Blitzgewitter der Fotografen, auch die Froschlurchen der AK-Sieger/innen ihren erfolgreichen Auftritt. Zu guter Letzt gab es außerdem noch überraschende Akkorde bei den Teams. Das Team TSV Dresden (Paul Schmidt, Uwe Zentsch, Birgit Kretschmar und Christin Marx) gab den Ton vor dem Team MSV Meusegast (Anna, Eva und Stefan Lamm; Karsten Porth) an.

Im Finalsatz trat im Rahmen der Froschlaufparty die sächsische Band „Wolkenflug“, die sich kraftvoll bis melancholisch präsentierte, auf. Im Rhythmus der Melodie „Herzsturm“ fühlte sich der eine oder andere Froschläufer wie auf Wolke sieben. Alsbald folgte weit nach Mitternacht der letzte Paukenschlag, denn die einmalige Laufkomposition klang mit einem wundervollen Höhenfeuerwerk aus.

Die Biehlaer Impressionen werden sicher noch lange nachhallen. Obwohl Jens Dzikowski mit dem Organisationsteam des SV Biehla-Cunnersdorf um Lutz Zistel und die unzähligen Helfer bereits im Konzert der ganz Großen angekommen sind, hängen nun ein paar dunkle Wolken über Biehla. Wie bekannt ist, bleibt nämlich die Frage offen, ob es wirklich die letzte Aufführung der Biehlaer Laufsinfonie unter der Leitung von Jens Dzikowski war. Unstrittig ist, dass die über tausend Froschläufer gern weiterhin der Aufforderung „Sei kein Frosch!“ nachkommen würden.

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